Ode an den Faktencheck

Liebe Freunde,

spätestens seit Corona habe ich das Gefühl, dass Informationen, Behauptungen und Thesen so schnell und ungeprüft wie noch nie in den Sozialen Medien geteilt werden. Zumindest fällt es mir seitdem noch viel stärker auf.

Bitte nennt eure Quellen…

Ich möchte niemanden diffamieren und stattdessen die Gelegenheit nutzen, eine Ode an den Faktencheck zu schreiben. Bitte, liebe Leute: Bevor ihr Content postet – recherchiert die Hintergründe, den Wahrheitsgehalt oder zumindest die Quelle eurer Behauptungen! Es gibt mittlerweile so viele Beispiele von gefährlichen Falschmeldungen. Wir erleben eine zunehmende Stigmatisierung von Personengruppen und Denkweisen in unserer Gesellschaft. Das spaltet uns nur noch mehr und ist gefährlich! Lasst uns sachlich und mit Fakten untermauert über die Dinge sprechen. Jede Seite hat ein Recht auf ihre Meinung – das ist das Wunderbare an einem Grundgesetz, das uns diese freie Meinungsäußerung garantiert (übrigens trotz Corona…).

Meckern kann jeder

Ich höre und lese derzeit so viel Wut auf die Bundesregierung, unsere Virologen oder das Bildungssystem… Ja, es gibt viel zu tun in unserer Gesellschaft und auch die Politik macht sicherlich nicht alles richtig. Wie denn auch? Lasst es uns gemeinsam anpacken und die Chance nutzen, indem wir die Dinge so weit es geht versachlichen, ihnen die emotionale Aufladung entziehen und vielleicht auch einfach mal ein Stück Dankbarkeit zeigen. Zum Beispiel dafür, dass wir in einem Land leben, in dem wir uns frei bewegen und äußern dürfen, ein Dach über dem Kopf haben und auf eines der besten Gesundheitssysteme der Welt zurückgreifen können. Meckern ist leicht – Entscheidungen auf höchster Ebene fällen zu müssen in einer nie dagewesenen Krise; das ist etwas ganz anderes. Corona legt den Fokus noch viel mehr auf die Bereiche in unserer Gesellschaft, in denen es neue Ideen und Perspektiven – und manchmal sicherlich auch einen durchaus radikalen Richtungswechsel – braucht. Doch Stimmungsmache hilft dabei nicht. Ganz im Gegenteil. Es bedarf einer anderen Haltung zu den Dingen: lasst uns stattdessen Lösungsvorschläge entwickeln und die stattdessen miteinander teilen.

Meldungen unreflektiert und ungeprüft weiterzugeben, bietet nicht nur die Basis für unnötige und vollkommen kontraproduktive Hetze, sondern öffnet auch rechtsradikalen Gruppierungen potentiell den Raum (siehe u.a. dazu der Bericht im Fokus im Juni 2020, in dem der Leiter des NRW Verfassungsschutzes genau davor warnt).

Perspektivwechsel sind hilfreich

Ja, Leute: Wir haben nach wie vor das Recht – sogar die Pflicht – auf freie Meinungsäußerung, sollten weiterhin kritisch bleiben und auch auf die Straße gehen. Und gleichzeitig biete ich, bevor ihr das tut, einfach mal ganz unverfänglich den Perspektivwechsel an, dass Menschen wie Christian Drosten vielleicht auch eine positive Absicht haben könnten (nämlich Menschenleben zu retten). Es könnte ja ein ganz hilfreicher Gedanke zu sein, anderen Menschen auch mal eine positive Absicht zu unterstellen. Möglicherweise… nur möglicherweise… hat die sogar ein Bill Gates. FÜR oder GEGEN etwas zu sein, ist einfach. Stattdessen im konstruktiven Austausch zusammenzukommen, um Lösungen zu finden, eine der größten Herausforderungen. Baut Brücken und schafft nicht noch mehr Polaritäten!

Euer Sozialromantiker

Die Gabe der Objektivität

– Warum Neutralität gerade jetzt ein wertvoller Begleiter ist –

Was für belebte Zeiten… 2020 fordert uns alle massiv heraus, Liebgewonnenes und alte Gewohnheiten nicht bloß in Frage zu stellen, sondern teilweise komplett aufzugeben. Veränderung steht für jeden einzelnen von uns ins Haus – ob wir wollen oder nicht.

Veränderung macht uns Angst – ist aber notwendig

Vor vielen Jahren schon hat mir ein geschätzter Freund und Mentor mit auf den Weg gegeben, dass die Menschen freiwillig nur selten zu Veränderung bereit seien. Wenn es uns gut geht, neigen wir dazu, den Status Quo um jeden Preis aufrecht erhalten zu wollen. Wir schaffen uns Konstrukte, die uns Kontrolle über eben diese Situation vorgaukeln und ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Zu wirklich tiefgreifender Veränderung – und damit der Aufgabe von Kontrolle und Ego – zwingt uns meist das Leben selbst und geschieht damit nur selten aus freien Stücken. Denn Veränderung entzieht uns Sicherheiten und nimmt uns vertraute Strukturen, an denen wir doch so gerne festhalten. Das macht vielen Menschen Angst und ist nachvollziehbar. Und dennoch (oder gerade deshalb) ist Veränderung so unendlich wertvoll und lebenswichtig. Das Konzept der Kontrolle ist am Ende eben nicht mehr als reine Illusion. „Veränderung heißt Leben. Stillstand bedeutet Tod“, pflegte mein Mentor immer zu sagen. Die Natur zeigt uns das jeden Tag.

Corona drängt uns alle nun in eine Situation, die Veränderung in einem sehr plötzlichen, sehr heftigen und sehr unbequemen Maße mit sich bringt. Eine Veränderung, die uns teils radikal dazu zwingt, uns zu bewegen und in andere Richtungen zu denken als bisher. Das birgt eine gewaltige Chance – wenn wir sie denn weise zu nutzen wissen. Und wenn wir es unseren Ängsten nicht erlauben, unser Denken und Handeln zu steuern.

Was ist die Wahrheit? Und welche innere Haltung braucht es jetzt?

Was ich derzeit in den Medien und an der inneren Haltung vieler Menschen beobachte, ist ein zunehmender Hang zu extremen Meinungen und Tendenzen. Zu aggressivem Verhalten, Überreaktionen und verbalen Attacken. Angstschürende Nachrichten über das Coronavirus auf der einen, teils heftiger Widerstand gegen politische Entscheidungen auf der anderen Seite. Gefühlt werden die Meinungen beider „Lager“ immer heftiger, immer extremer. Und auch, wenn jeder seine Wahrheit hat und wir viele politische Entwicklungen momentan durchaus mit wachsamen und kritischen Blicken beobachten sollten, so liegt für mich die Lösung in der Mitte. Und damit in einem gelebten Wert, der dieser Tage denke ich eine besondere Beachtung verdient hat: Neutralität. Man sagt nicht umsonst, dass es immer 3 Wahrheiten zu jedem Diskurs gibt: Meine Wahrheit, deine Wahrheit und eine Wahrheit, die wir beide nicht kennen. Es ist somit nur wenig hilfreich, mit seinem eigenen Standpunkt Recht behalten und andere überzeugen zu wollen. Alles hat seine wahren Anteile. Die hohe Kunst besteht in der inneren Haltung, all diese Wahrheiten mindestens anerkennen zu können – und dies auch zu wollen. Selbst, wenn es nicht meine Wahrheiten sind. Das heißt nicht, dass ich sie auch teilen muss.

Vielfach kursierte in den letzten Wochen ein Bild im Netz, das eben diese innere Haltung, die es meiner Meinung nach jetzt braucht, ziemlich gut auf den Punkt bringt. Das Bild zeigt einige in Reihe liegende Streichhölzer, die von links angezündet werden und so eine Kettenreaktion auslösen, die auch die daneben liegenden Hölzer entzündet – und zwar bis zu dem Punkt, an dem eines dieser Streichhölzer ein Stück aus der Reihe herausgezogen wird (quasi einen Schritt zurück macht) und somit die rechts von ihm liegenden Streichhölzer nicht weiter ansteckt.

 

Brücken statt Polaritäten schaffen

Jedes Extrem, jede Form von Polarität fordert gleichzeitig den jeweiligen Gegenpol – das genau gegenüberliegende Extrem – heraus. Ein zu heftiger Ruck nach links macht den Raum frei für einen ebenso starken Ruck nach rechts. Genau das erleben wir derzeit weltweit auf politischen und sozialen Ebenen. Mahatma Ghandi pflegte schon zu sagen – und daraus sprach eine tiefe spirituelle Erkenntnis: Demonstriert nicht GEGEN etwas, sondern FÜR etwas. Indem ich gegen etwas bin und in den Widerstand gehe, gebe ich dem nur noch mehr Kraft, von dem ich mich eigentlich lösen will. Letztlich geht es nicht um Trennung. Sondern um das, was verbindet. Das erfordert von uns allen eine kritische Selbstreflexion und eine objektive und vor allem grundehrliche Auseinandersetzung mit unseren eigenen Ängsten.

Werte verbinden

Vielleicht liegt der Kunstgriff jetzt darin, uns unseren eigenen, inneren Widerständen zu stellen, statt sie ins Außen zu projizieren. Eine Beobachterrolle einzunehmen, die es uns selbst ermöglicht, Dinge aus einer übergeordneten Perspektive zu betrachten. Wenn es uns gelingt, die Brücke zwischen den Extremen zu schlagen (und der Schlüssel dazu liegt nach meinem Empfinden in einem werteorientierten und wertschätzenden Miteinander) dann – und erst dann – können die hohen Wellen wieder abflachen, die uns allen momentan das Leben so schwer machen und die Emotionen so hochkochen lassen…

Pflege 4.0 beginnt jetzt

Wie wir Werte als neue Qualitätsrichtlinien verankern 

 (von Sebastian Schmidt und David Thiele)

Corona prägt das Jahr 2020 wie sonst nichts anderes. Die Auswirkungen auf unsere Wirtschaft, unser Zusammenleben und unsere Wertesysteme werden uns noch lange darüber hinaus prägen und beschäftigen. Jetzt wird sich zeigen, wohin die Reise für uns als Gesellschaft geht. Insbesondere die Pflege gerät dabei endlich in den Fokus unserer Aufmerksamkeit und zeigt auf, was schon lange einer dringenden Korrektur bedarf: Die Schaffung von angemessenen Arbeitsbedingungen mit fairen Löhnen und weniger Bürokratie. Forderungen, die längst nicht neu sind und die jetzt vielleicht endlich die Chance zur dauerhaften Veränderung bieten. Werte sollten jetzt als neue Qualitätskriterien verankert werden.

 Wieviel Standards braucht die Pflege?

Wir erleben, wie Kontrollregeln in der Pflege gelockert und Qualitätsrichtlinien vorübergehend außer Kraft gesetzt werden. Bei allen wachsamen und kritischen Blicken, die hier sicher angebracht und notwendig sind, bietet aber genau diese Lockerung die Möglichkeit zum Wandel. Wie lange schon beklagen sich Pflegekräfte bereits über die immer weiter zunehmende Dokumentation ihrer Arbeit, die sie von ihrer eigentlichen Passion – dem Dienst am Menschen – abhält. Die Qualitätsstandards nehmen von Jahr zu Jahr zu, verlieren dabei jedoch das eigentliche Ziel der Pflege auch zunehmend aus den Augen.  

Durch Corona erleben wir, wie Pflegekräften genau diese ohnehin obsolete Bürde der Bürokratie zu einem Großteil genommen wird. Und wie damit potentieller Raum für die eigentliche Arbeit am Patienten frei wird. Wir sagen vorsichtig „potentiell“, denn natürlich sind die momentanen Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte alles andere als selbstbestimmt.  Dennoch: Wenn wir in Zeiten wie diesen ohne übertrieben aufgeblasene Qualitätsstandards auskommen können – warum dann nicht auch nach Corona? Und wenn diese Qualitätskriterien wegfallen, welche neuen Ideen kann man ansetzen? Die Antwort lautet: Wertebasierte Unternehmensführung.  

Es braucht mehr denn je und genau jetzt neue Schwerpunkte bei den Qualitätskriterien. Pflege 4.0. beginnt jetzt!  

 Der nächste Wirtschaftszyklus liegt im Gesundheitswesen

Wer sich schon einmal mit der Theorie der zyklischen Wirtschaftsentwicklung nach Nikolai  Kondratjew beschäftigt hat, wird feststellen, dass wir unmittelbar vor dem Beginn eines neuen Wirtschaftszyklus stehen – auch, wenn es sich momentan (noch) nicht danach anfühlt. Einige Experten mutmaßen, dass die neuen Innovationen zukünftig aufstrebender Wirtschaftszweige im Bereich des Gesundheitswesens liegen werden. Und hier vor allem im Bereich der psychosozialen Gesundheit. Was für eine Chance! Zumal unser Arbeitsminister, Hubertus Heil, erst kürzlich betont hat, dass die eigentlichen Leistungsträger unserer Gesellschaft weder Anzug noch Krawatte tragen. Die Helden von Corona sind vor allem die Pflegekräfte. Und das muss jetzt endlich gesehen werden und Konsequenzen haben. 

 Neue (Werte-)Qualitätskriterien anlegen

Wir sollten uns also damit beschäftigen, welche neuen (Werte-)Qualitätskriterien wir in der Pflege ansetzen – und natürlich auch, wie wir diese messen können. Es wird neue Tools zur Evaluierung geben müssen. Einfachere und effektivere. Etwa auf das Unternehmen angepasste Online-Umfragen, motivatorische Kennzahlen (etwa die Verweildauer der Mitarbeiter in der Einrichtung, Arbeitsunfähigkeitsquoten, Fluktuationsquoten, Bewerberquoten etc.). Weiterführend betrachtet sind anonyme Mitarbeiterbefragungen an zentraler Stelle zuverlässiger und zielführender. Sie sind unternehmensübergreifend, anonym, benchmarkfähig und klar zuzuordnen. So könnte eine zentral initiierte, geleitete und begleitete Befragung zum Beispiel jährlich durchgeführt werden. Und sie würde von dem Vertrauen leben, dass die Ergebnisse und Kommentare auch wirklich zu einem Feedback und einer Reaktion führen. 

Wenn wir wollen, dass aus kurzzeitigen Solidargemeinschaften nachhaltiges Gemeinschaftsgefühl entsteht, müssen wir alle jetzt umdenken. Zumal sich gerade derzeit doch die wahren Wertesysteme von Arbeitgebern so deutlich offenbaren wie nie zuvor (siehe Stopp der Mietzahlungen von Adidas, Karstadt etc.). 

Politische Debatten anstoßen

Jetzt ist die Zeit, auf unternehmerischer und politischer Ebene neue Lösungen zu entwickeln und umzudenken. Und damit der Pflege endlich die Wertschätzung und neue Kriterien entgegenzubringen, die sie längst verdient hat. Diese jetzt einmalige Situation bietet eine ebenso einmalige Chance. Dabei geht es weniger um ultimative Lösungen als vielmehr um den Anstoß zu einer längst fälligen Debatte zur aktiven Neugestaltung der (Pflege-) Zukunft. 

Lassen Sie uns miteinander neue Lösungen entwickeln. Wir freuen uns auf einen regen Austausch und einen produktiven Diskurs dazu. 

Ihr 

Sebastian Schmidt & David Thiele 

Wertewandel durch Corona

Lasst uns von Chance statt von Krise reden

Der aktuelle Wertewandel, den wir durch Corona erleben, fordert das Werteverständnis von Unternehmen noch einmal auf eine völlig neue Weise. Und bietet die Möglichkeit, Chance statt Krise zu sein. In diesen Tagen zeigt sich, wo wertschätzende Unternehmenskultur wirklich stattfindet und ob Leitbilder auch tatsächlich gelebt werden. Werte wie Solidarität, Gemeinschaft und Vertrauen bekommen in Zeiten von Corona eine ganz andere Dimension. Und sie zeigen auf, wo Unternehmen noch Entwicklungspotential haben. Jetzt haben Unternehmer die Möglichkeit, genau das in ihren Betrieben noch mal neu zu reflektieren und zu überprüfen.

Das Werteverständnis nachhaltig verändern

Statt „Corona-Krise“ sollten wir den aktuellen Wandel daher als „Corona-Chance“ betrachten. Als Chance, den Nährboden für ein neues und vor allem nachhaltiges Werteverständnis in Unternehmen zu schaffen.

An dieser Stelle möchte ich auf einen Artikel der Neuen Züricher Zeitung verweisen, die das Thema kürzlich ebenfalls aufgegriffen hat und viele Dinge aus meiner Sicht auf den Punkt bringt.

Jetzt ist die Zeit, um neue Grundlagen zu schaffen

Viele sprechen derzeit von einer neuen Welle der Hilfsbereitschaft und der Solidarität. Nach meinem Empfinden ist es allerdings eher der gemeinsame Weg, der uns momentan eint. Also ein temporärer Zustand von Zusammenhalt, entstanden aus einer Notsituation, und weniger das tiefe Verständnis für ein neues Denken. Ein Denken, das von dauerhafter Fürsorge und Achtsamkeit begleitet wird. Doch genau darin liegt jetzt die große Chance: Mit dem entsprechenden Bewusstsein können Unternehmer diese Tugenden auch nachhaltig bei ihren Mitarbeitern etablieren.

Wenn in ein paar Wochen Alltag und Normalität wieder Einzug gehalten haben, können gemeinsame Aktionen wie etwa ein offener Austausch der Mitarbeiter im Rahmen einer Werte-Lounge oder eine gezielte Zufriedenheits-Umfrage zum Umgang mit der Corona-Situation im Betrieb die Grundlage schaffen für ein neues Miteinander. Sie würden zeigen, dass Geschäftsführern beständig am Wohle ihrer Mitarbeiter gelegen ist. Dass sie deren Meinungen ernst nehmen und auch beherzigen. Jetzt ist die Chance, aus Angestellten loyale Mitarbeiter zu machen, indem ich ihnen die Wertschätzung entgegenbringe, die sie verdienen.

Sicherheit ist eine Illusion

Die Erfahrungen aus dem Corona-Virus werden unsere Gesellschaft nachhaltig prägen und noch lange beschäftigen: Plötzlich spürt auch eine junge Generation an Arbeitnehmern, dass permanente Produkt-Verfügbarkeit keine Selbstverständlichkeit ist. Unternehmer müssen die bittere Pille schlucken, dass Umsatzplanungen fragiler denn je sind. Und wir alle machen die Erfahrung, dass es Sicherheit letzten Endes schlicht und ergreifend nicht gibt. Weder gesundheitlich, noch finanziell. Das ist die schmerzliche Erkenntnis, die es jetzt anzunehmen gilt. Und je eher wir sie annehmen, desto eher haben wir auch die Chance, unser Denken zu ändern. Denn auf den Wertewandel, den wir bereits seit einigen Jahren spürbar durchleben, wird das Corona-Virus wie ein Katalysator wirken. Wenn es mir als Unternehmer gelingt, Wertearbeit nachhaltig in meinem Betrieb zu verankern, kann die jetzige Pandemie eine riesen Chance sein. Und zwar für mehr Wertschätzung, gelebte Fürsorge und damit letzten Endes für eine Mitarbeiterbindung, die unbezahlbar ist.

Wer in diesem Zusammenhang einen guten Lesetipp braucht, dem sei wärmstens das Große Buch der Werte von meinem geschätzten Kollegen Frank Sauer ans Herz gelegt.

Innere Führung statt Panikmache

Was in diesen Zeiten wirklich hilft

Nahezu stündlich überschütten uns derzeit neue angstmachende Informationen über das Corona-Virus. Panikkäufe und Ellenbogendenken zeigen sich dieser Tage nicht nur im Fernsehen, sondern direkt vor unserer Haustür. Was mir persönlich allerdings deutlich mehr Sorge als irgendein Virus bereitet, ist die Art und Weise vieler Menschen, mit der Furcht davor umzugehen. Und wie leicht sich die menschliche Angst durch die Macht der Medien doch manipulieren lässt. Wir sind momentan umgeben von einem kollektiven Feld aus Angst, Unsicherheit und Ohnmacht.

Innere Klarheit ist das A und O

Mehr denn je ist es in diesen Tagen daher wichtig, bei sich zu bleiben, ohne aus dem Kontakt zu unseren Mitmenschen zu gehen. In die eigene Klarheit und das Vertrauen zurück zu kommen. In eine Balance aus Mitgefühl und gesundem Menschenverstand. Und besonnen, nicht angstgesteuert, zu agieren. Viele fühlen sich in diesen Tagen abgekoppelt, ängstlich, allein und ohnmächtig. Und je mehr wir uns in diese gedankliche Negativ-Spirale ziehen lassen, desto mehr verlieren wir auch den Blick für uns selbst und unsere Klarheit. Angst blockiert uns und lässt uns handlungsunfähig werden. Doch wie kann aus Angst wieder Vertrauen werden? Und aus Ohnmacht wieder Schöpferkraft entstehen?

Letzten Endes ist Angst nichts anderes als eine Empfindung unseres Egos. Und damit eine Empfindung von dem Teil in uns, der sich getrennt fühlt und sich davor fürchtet, die Kontrolle zu verlieren. Der einzige Weg, um aus diesem Gedankenkarussell auszusteigen, ist es, den gedanklichen Fokus zu ändern. Weg von unseren Ängsten, hin zu vertrauensvollen Gedanken.

Dankbarkeit als Schlüssel

Wie uns das gelingt? In meiner Arbeit als Coach nutze ich verschiedene Tools, um das zu erreichen. Eine Möglichkeit ist es, eine Art Dankbarkeits-Tagebuch zu führen, in dem ich jeden Tag mindestens 3 Dinge schriftlich fixiere, die an diesem Tag gut waren und für die ich dankbar bin. Ich weiß selbst nur allzu gut, dass es Tage gibt, an denen uns das besonders schwer fällt. Tage, an denen vermeintlich nichts so wirklich rund gelaufen ist. An diesen Tagen ist es zwar besonders schwierig, dankbare Gedanken zu finden – doch gerade deshalb auch umso entscheidender. Manchmal gilt es dann, sich all der kleinen Dinge bewusst zu werden: Eine gute Tasse Kaffee am Morgen oder das freundliche Lächeln der Kassiererin bei unserem Wocheneinkauf im Supermarkt. Indem ich gedanklich nach positiven Erlebnissen Ausschau halte, gebe ich meinem Geist umgehend einen neuen Fokus und erziehe mich so quasi selbst dazu, mir Schritt für Schritt eine neue Sicht auf die Welt anzueignen. Mit fühlbaren Resultaten: Menschen, die dankbar sind und positiv denken, sind zufriedener, glücklicher und leiden seltener an psychischen Krankheiten. Neueste Erkenntnisse aus der Psycho-Neuro-Immunologie und der Positiven Psychologie bestätigen diesen Effekt.
Übungen wie diese sind kein Hexenwerk und erfordern lediglich eine Sache: Ein gewisses Maß an Selbstdisziplin. Erfahrungsgemäß gelingt uns das spätestens dann am Besten, wenn der innere Leidensdruck hoch genug ist und damit die Bereitschaft nach Veränderung steigt.

STOP zu negativen Gedanken

Manchmal braucht es dafür auch einfach einen liebevollen Anstoß von Außen, ein klares STOP! zu den negativen Gedanken. Und jemanden, der uns auf diesem Weg in die Selbstdisziplin begleitet. Nicht umsonst leitet sich das Wort „Coach“ etymologisch aus dem ungarischen Wort “kocsi” ab und bedeutet so viel wie „komfortabler Wagen“, also etwas bzw. jemand, das (der) uns schneller und sicherer zum gewünschten Ziel bringt.

Ob aus eigener Kraft oder mit ein wenig Unterstützung von Außen – uns von unseren Ängsten zu lösen und den Fokus auf die eigene geistige Gesundheit zu legen, erfordert nicht immer die großen Schritte. Doch sie zu gehen, so klein sie auch sind, das ist die Kunst dabei. Denn Gesundheit, das spüren wir in diesen Tagen besonders, ist unser höchstes Gut.

Wenn wir gemeinsam und kollektiv im Vertrauen bleiben, können wir den momentanen Nachrichten deutlich gelassener gegenüber treten. Glaube an dich, an deine Kraft und Stärke. Ich begleite dich gerne auf diesem Weg.